Children possess the ability to submerge completely in their fantasy worlds. Using dolls and doll houses they re-enact daily life and imagine how their own adult life would be like at the same time. These picturesque and vivid imaginations are made tangible through the artist’s work. Marielle Viola Morawitz puts herself in direct relation with her doll houses and visualizes those day-to-day scenarios she envisioned as a child: She’s doing the laundry, washing the dished, nursing her children, is taking a bath, watching TV or applying make-up. By doing so, she transfers her past imagination into the present visualising them as the illusions they are.

Berlin, 2014

Imagination of a child named Marielle

Textfeld: INNEN

Auf einer Brüstung sitzen und stundenlang auf das Mittelmeer blicken

Einen Berg bezwingen und im Sommer Schnee orten

Rote Beeren an einem grünen Busch  aufspüren und sich am Komplementärkontrast erfreuen

Einen Schaufensterbummel machen ohne etwas einzukaufen

Mit Freunden einen  grandiosen Abend verbringen

Auf dem zugefrorenen See stehen und bizarre Eislandschaften erkunden

Ein vorzügliches Mittagessen genießen

Frühlingsbote Krokus auf den Wiesen  sehen

hēdonḗ

altgriech. ἡδονή

Freude, Vergnügen, Lust, Genuss, sinnliche Begierde

Jedes Individuum strebt nach einem Zustand glücklichen Seins. Dieses Streben ist in der Regel mit immenser Aktivität und Anstrengung verbunden. Erreicht der Mensch sein gestecktes Ziel, ist es nur von kurzer Dauer.

Nach der Befriedigung folgt Gewöhnung. Aus dieser erwächst Unzufriedenheit. Ein wiederholtes Streben nach neuen Zielen beginnt. So kommt der Mensch voran. Entdeckt, erfindet, verbessert. Dieser Mechanismus vermag jedoch ebenso negative Ergebnisse hervorzurufen. Die uneingeschränkte und blinde Verfolgung der eigenen Ziele, kann nicht nur anderen schaden, sondern auch sich selbst, da man sich der Möglichkeit vieler kleiner, hedonistischer Erlebnisse beraubt.

Jedes einzelne Bild aus dem Werk „hēdonḗ“ beschreibt einen Atemzug freudiger Empfindung. Dabei kann es nie einen allumfassenden Katalog zufriedenstellender Momente geben, denn diese Augenblicke sind so zahlreich und vielfältig wie Menschen auf der Erde leben. „hēdonḗ“ ist daher nur eine beispielhafte Zusammenstellung kleiner Glücksmomente, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt oder evaluierbar ist.

 Auszüge, 2013 - 2015

 

 

 

hēdonḗ

hēdonḗ

from ancient greek: ἡδονή

joy, lust, enjoyment, passion, wanting

 

“We all chase after our impulsive needs, however, it often overcomes us when we least expect it, only to vanish before we savoured it completely.”

Stefan Klein

 

Every individual tries to acquire a happy state of being. This aim is often accompanied by extensive efforts. If one reaches one’s self-set goal, the joy only lasts for a short while.

Habituation follows satisfaction. From it arises dissatisfaction. Another cycle of joy-fulfilment begins. That’s how humankind progresses, discovers, invents and improves. However, this mechanism can have negative consequences, too. The aimless chase after a great goal cannot only damage oneself and one’s surrounding, but also rob oneself of many smaller hedonistic experiences.

Every single picture of the work “hedone” represents a blink-of-an-eye moment of those bigger and smaller happy experiences. However, there will never be a complete catalogue of satisfying moments, as those moments are as numerous as the people that experience them. Therefore, hedone can only ever be a compilation of moments of joy, without ever assuming completeness.

Excerpts, 2013 - 2014

 

 

ir alle jagen dieser Empfindung hinterher, aber sie überfällt uns, wenn wir am wenigsten mit ihr rechnen – nur um zu verschwinden, noch ehe wir sie ausgekostet haben.“ 

Stefan Klein

 

 

W

Kinder besitzen die Fähigkeit sich ganz in ihre Traumwelt hineinzuversetzen. Sie spielen mit Hilfe von Puppen und einem Puppenhaus Alltagssituationen nach und stellen sich dabei vor wie ihr Erwachsenenleben aussehen wird. Dieses bildhafte und anschauliche Vorstellen wird in „Imagination of a child Marielle“ sicht- und fast greifbar. Dabei setzt sich die Künstlerin als erwachsene Person mit den Puppenhaus-Räumen in Bezug und lässt sich diejenigen Alltagssituationen erleben, die sie sich als Kind vorgestellt hat. Sie wäscht den Teller ab, hängt die Wäsche auf, versorgt ihre Kinder, schaut fern, nimmt ein Bad, schminkt sich. So gibt sie der naiven Vorstellung von damals ein Bild von einem Heute, dass sich bei näherem Blick als Trugbild entpuppt.

Berlin, 2014